Chapter 1 of 1

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MrJacksMarch 13, 2026

Kapitel 1

Es ist der 7. Februar. Die Kathedrale von New Haven ist bis auf den letzten Platz gefüllt und der Geruch von Weihrauch liegt schwer in der Luft. Heute steht eine göttliche Gerichtsverhandlung an. Ein Lichtstrahl blendet Nara durch die imposanten Buntglasfenster, welche die glorreiche Flucht von Arthengard zeigen. Die Rettung der Menschheit, welche nur dank der Kirche gelungen ist, aufgearbeitet in 8 riesigen Glasmalereien. Nara entsinnt sich diese Geschichte hunderte Male im Geschichtsunterricht gehört zu haben. Eigentlich sollte man dazu eher Religionsunterricht sagen. Vor Generationen entbrannte ein unerbittlicher Kampf um die Welt Arthengard, den letztlich die Dämonen und Monster für sich entschieden haben. Am Ende blieb der Menschheit nichts anderes übrig, als mit einem magischen Portal auf eine andere Welt zu flüchten und ihre Heimwelt hinter sich zu lassen. Seit diesem Tage ist die königliche Familie entmachtet und die Geistlichen haben geschickt die Macht übernommen, ohne selbst die Verantwortung zu übernehmen.

Vom eigentlichen Prozess bekommt Nara nicht viel mit. Ihre Gedanken kreisen. Sie, Prinzessin Nara von Runenberg, dritte Tochter des Königs von New Haven, angeklagt wegen Hochverrat und Ketzerei. Was für eine Farce, doch was will man schon von einer theokratischen Gesellschaft erwarten? Sie konnte noch nie etwas mit Kirche und Religion anfangen und dann wurde sie in einer Welt wiedergeboren, die voll mit ihnen ist. Sie muss schmunzeln. Von außen betrachtet entbehrt ihre Situation nicht einer gewissen Ironie. Mit 30 Jahren erkrankt sie an ME/CFS, lebt jahrelang ein Leben, in dem sie an ihr Bett gefesselt ist, nur um dann einsam an Herzversagen zu sterben und in einem weiteren Käfig wiedergeboren zu werden. Zugegeben, diesmal wenigstens ein goldener Käfig, aber dennoch ein Käfig.

Dann wird sie aus ihren Gedanken gerissen.
“Ja, Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Nara hat die Wahrheit über die glorreiche Flucht von Arthengard angezweifelt.” Ihr Verteidiger steht vor dem Richter und gestikuliert heftig. Dann deutet er auf Nara, “Aber seien wir doch mal ehrlich, sie ist nur eine Frau. Das deutet auf mangelnde Bildung und eine schlechte Erziehung hin, nicht auf die Absicht, das Land und die Kirche zu verraten.” Nara krallt sich an ihrem Stuhl fest, bis ihre Knöchel weiß hervortreten. Ihr Verteidiger ist offenkundig von der Kirche bestochen worden. Wie gerne würde sie jetzt ihre Meinung kund tun, doch als Frau ist es ihr untersagt, vor Gericht zu sprechen. “Ich plädiere daher auf Nachsicht bei der Urteilsfindung."
Sie versucht verzweifelt, den Blickkontakt zu ihrem Vater zu finden, der auf einem Thron hinter dem Richter sitzt. Dieser schaut jedoch nur mit leeren Blick in die Menge. Soll es das jetzt nach 17 Jahren in ihrem neuen Leben schon wieder gewesen sein?
Der Richter erhebt sich und beginnt das Urteil zu verkünden:
“Im Namen Gottes ergeht folgendes Urteil: Die Angeklagte Prinzessin Nara von Runenberg wird für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Es ist offenkundig, dass die Angeklagte im vollen Bewusstsein… “
Den Rest nimmt Nara nicht mehr wahr. Sie ist in eine Falle getappt und das ist jetzt die Quittung für ihre Spitzen gegen die Kirche? Sie hat niemals öffentlich daran gezweifelt, dass die Geschichte mit der Flucht wahr ist, aber trotzdem hat sie nie eine Möglichkeit ausgelassen, die Kirchenvertreter vorzuführen oder bloßzustellen. Aber sie hat niemals die Linie übertreten und sich angreifbar gemacht. Doch sie hat die Macht der Kirche scheinbar unterschätzt oder besser gesagt ihre Skrupellosigkeit.
Der König erhebt sich und alle Personen in der Kathedrale knien sich hin. “Wir, Edward von Runenberg, König von Gottes Gnaden, erklären hiermit unser Veto und ändern das Urteil auf lebenslange Verbannung aus der Stadt.”
Das Gesicht des Richters wird rot und man kann seine Wut förmlich spüren. Die Sekunden ziehen sich zäh dahin und eine gewisse Erleichterung macht sich in Nara breit. Auch wenn ihre Beziehung zu ihrem Vater immer distanziert und kühl war, zeigt er mit diesem Veto, dass sie ihm nicht egal ist. Dann erhebt sich der Richter, grinst und spricht ruhig: “Wie ihr wünscht euer Gnaden.” Er richtet sich an das Volk. “In Gottes Namen wird die Strafe abgemildert und Prinzessin Nara wird verbannt. Am morgigen Tag wird ein Portal nach Arthengard geöffnet und das Urteil vollstreckt.” Er schlägt mit seinem Hammer aufs Podest und verschwindet sofort. Die Augen des Königs weiten sich und er sackt in seinen Thron. Nara dagegen steht wie betäubt da. Die Menge tobt vor Wut, doch das nimmt sie kaum wahr. Nur die Hände der Tempelritter, die sie packen und fortziehen. Ein Schritt nach dem anderen. Eine ganze Kompanie begleitet sie auf dem Weg ins Schloss, um sie in ihren Gemächern unter Arrest zu stellen. War es das jetzt doch?

Nara sitzt auf der Fensterbank und starrt in die Nacht hinaus. Die Sterne funkeln über der Stadt. Irgendwo da draußen liegt Arthengard. Eine andere Welt. Eine Welt voller Tod und Verderben.
“Komm schon Nara, du hast dich doch mit unzähligen Isekai Animes und Mangas auf eine solche Situation vorbereitet. Zu irgendwas muss das doch gut gewesen sein. Denk nach!” Sie schlägt ihre Hände vor das Gesicht und reibt sich die Augen. Sie atmet tief aus. “Das ist nicht dein Untergang. Du lebst und wirst nur auf eine andere Welt geschickt. Ein Kinderspiel!” Sie seufzt. “Nur mit einem kleinen Unterschied: ich habe weder eine Cheat-Skill noch überhaupt eine besondere Fähigkeit.” Sie steht auf und geht im Schlafgemach umher. Sie sieht das unberührte Tablett mit dem Essen, das mittlerweile kalt geworden ist, aber ignoriert es weiterhin.
Es klopft an der Tür. Ihre Eltern treten ein und ihre Mutter stürmt auf sie zu und nimmt sie sofort in den Arm. Ihr Vater spricht mit zitternder Stimme: “Es tut mir leid, Liebes. Ich habe es versucht, aber…”, ihm stocken die Worte. Sie löst sich sanft aus der Umarmung ihrer Mutter und richtet sich auf.
“Es ist nicht eure Schuld”, sagt sie ruhig. “Ich habe jahrelang mit der Kirche meine Späßchen getrieben. Irgendwann musste das Konsequenzen haben.” Sie lächelt steif, so überzeugend sie konnte. “Ich komme zurecht. Immerhin lebe ich”
Ihr Vater wollte etwas sagen. Sie schüttelte den Kopf.
Sie trat zu ihrem Vater und umarmte ihn fest. Er erwiderte die Umarmung und flüsterte ihr ins Ohr, so leise, dass es kaum zu hören war. “Bleib solange du kannst in der Nähe des Portals.” Sie wusste nicht warum. Aber es waren die Worte ihres Vaters. Er wird es ihr nicht grundlos sagen. Sie nickt kaum wahrnehmbar.
Der Tempelritter, der mit eingetreten war, unterbricht den Abschied “Majestät, ich muss euch höflichst darum bitten zu gehen. Die Besuchszeit ist abgelaufen. Die Worte des Kardinals waren eindeutig, ihr dürft euch nur verabschieden!" Der König stampft wütend auf den Tempelritter zu. “Zur Hölle mit dem Kardinal, ich bin hier der König, nicht er.” Doch dieser hält nur galant die Tür auf und geleitet den König mit einer Handgeste hinaus. Naras Mutter umarmt sie noch einmal, Tränen fließen ihr still die Wangen herunter. Der Tempelritter verbeugt sich einmal kurz vor Nara, “Verzeiht Hoheit, ich wünschte, ich könnte mehr machen.”
Als sich die Tür hinter ihnen schließt, steht sie noch einen Moment reglos da. Dann sackt sie auf dem Boden zusammen und fängt bitterlich an zu weinen.

Die Nacht verläuft nicht besser als der Tag. Nara liegt stundenlang wach und findet keine Ruhe. Was erwartet sie? Sind die Geschichten wahr? Wie finde ich etwas zu essen? Doch dann holt sich ihr Körper das, was er braucht und sie fällt in einen unruhigen Schlaf.
Dann befindet Sie sich in der Küche. Sie ist wieder Julia mit 17 Jahren und das Telefon klingelt. Sie greift zitternd zum Telefon, denn sie weiß genau, gleich wird sie erfahren, dass ihre Eltern bei einem Autounfall gestorben sind. Doch die Welt verschwimmt um sie herum und sie steht hinterm Tankstellentresen und ein Kunde schnauzt sie an. “Ich trage keine Maske und ich lasse mich weder von dir, noch von der Regierung dazu zwingen”. Die Welt verschwimmt wieder, sie liegt im Bett schwitzend und hustend. Ihr tut alles weh. Plötzlich ist es Jahre später, aber sie liegt immer noch im Bett. Das Zimmer ist abgedunkelt und draußen ist eine Sirene zu hören. Die Schmerzen werden mit jedem Aufheulen der Sirene stärker. Dann ist es totenstill und es wird dunkel.
Es ist Nacht und sie fliegt über eine düstere Welt, Stadtmauern, voller Breschen, Gebäude brennen, aber es ist still. Keine Schreie und auch das Knistern des Feuers hört sie nicht. Stattdessen Vogelgezwitscher und eine sanfte Brise. Dann aus dem Nichts, eine Stimme, “Ich erwarte dich”. Sie schreckt hoch und schaut aus dem Fenster. Es dämmert langsam und der Himmel färbt sich rot.

Der Schlossvorplatz von New Haven ist an diesem Morgen kaum wiederzuerkennen. Der weitläufige Platz, dessen Kopfsteinpflaster sonst von Händlern, Kindern und Schaulustigen bevölkert wird, ist wie leergefegt. Zwei geschwungene Kolonnaden rahmen ihn ein, ihre Säulen reihen sich wie Wächter aneinander und werfen lange Schatten über das Pflaster. Dahinter drängen sich die Menschen, so weit das Auge reicht. An jedem Durchgang stehen Tempelritter, Schulter an Schulter, die Lanzen quer vor die Brust gehalten. Der Morgen riecht nach kaltem Stein und Weihrauch, der Atem hängt in kleinen Wölkchen in der Winterluft.

In der Mitte des Platzes haben sich sieben Priester in einem weiten Halbkreis aufgestellt. Ihre weißen Gewänder leuchten im frühen Morgenlicht und kontrastieren mit dem grauen Pflaster unter ihren Füßen. Sie murmeln im Gleichklang, die Augen geschlossen, die Hände erhoben. Vor ihnen flimmert die Luft leicht, kaum wahrnehmbar, als würde die Welt an dieser Stelle nicht ganz stimmen. Irgendwo hinter den Kolonnaden weint jemand. Ansonsten ist der Platz, trotz der Menschenmassen, fast still.

Dann ist ein ohrenbetäubendes Reißen zu hören und inmitten der Priester öffnet sich ein blau strahlendes Portal. In der Mitte konzentriert sich absolute Dunkelheit. Dunkler als die schwärzeste Nacht und genauso unheimlich. Nara wird von zwei Tempelwachen die Schlosstreppe herunter geleitet. Sie trägt ein weißes, pompöses Kleid und dazu schwere Handschellen. Der Kardinal steht höchstpersönlich mit einem frechen Lächeln neben dem Portal. Als sie dort ankommen, beginnt ein Kirchendiener nochmals die Anklage und das Urteil zu verlesen und ihr werden die Handschellen abgenommen. Der Kardinal flüstert, “Endlich wirst du vorlautes Balg in deine Schranken verwiesen.” Noch bevor der Diener den ersten Absatz beenden konnte, richtet Nara sich in Richtung des Volkes. Sie salutiert salopp und ruft “Wir sehen uns!” Im nächsten Moment ist sie im Portal verschwunden.

Transparency Notice

Due to my cognitive dysfunction caused by ME/CFS, I use AI assistance tools in the writing process. All creative work, including characters, plot, world-building, dialogues, and all ideas, originates entirely from me. AI is used solely as an assistive tool to compensate for my health-related limitations.